Ich pfeife auf den Tod

Babak Rafati

Ich pfeife auf den Tod

Kösel

Babak Rafati war FIFA- und DFB-Schiedsrichter – bis zum 19. November 2011, als er sich unmittelbar vor dem Spiel 1. FC Köln gegen 1. FSV Mainz 05 das Leben nehmen wollte. Nach dem Suizid von Robert Enke erschütterte sein Selbstmordversuch die Öffentlichkeit. Monatelang wurde über Rafatis Motive gerätselt. In seiner schonungslosen Beschreibung gibt er – ausgehend von der Nacht des Suizidversuches – zum ersten Mal Antworten, die alle Menschen betreffen, die unter extremen Leistungsdruck, Mobbing und Erschöpfung leiden. Seine Tat war die Folge einer Depression, hauptsächlich verursacht durch die

brutalen Gesetze des Profisports. Rafatis Bericht gibt Einblicke in das „System Schiedsrichter“, an dem er fast zerbrochen wäre. Es ist nicht nur eine schonungslose Abrechnung mit sich selbst und menschenverachtenden Mechanismen im deutschen Fußball, sondern auch Protokoll einer mentalen Heilung, das vielen Menschen Mut machen kann, alles was einen krank macht hinter sich zu lassen.

Kommentar der Redaktion: Ich glaube, wir ALLE haben noch den Freitod vom Hannover 96 Torwart Robert Enke im Kopf. Eine ganze Nation war geschockt. Als dann, vor dem Spiel Köln gegen Mainz die Meldung über den versuchten Selbstmord eines Schiedsrichters durch die Ticker kam, waren wir wieder alle geschockt. Wieder kamen die gleichen die Diskussionen über den Stress im Leistungssport.

Laut Aussage von Rafati war eine Depression der Auslöser. Während man Enke nicht mehr helfen konnte, konnte bei Rafati noch eingegriffen werden. Rafati gewährt uns einen ungeschminkten Einblick in die Stunden vor seines Selbstmordversuches.

Rafati hält mit nichts vor dem Berg. Er nennt Ross und Reiter. Sicher letztendlich auch eine Möglichkeit um den Wahnsinn aus Stress und Medienvielfalt entgegenzutreten. Sportsendungen auf DSF machen sich jeden Sonntag einen Spaß daraus, die Schiedsrichter genau unter die Lupe zu nehmen. Jede kleinste Fehlentscheidung wird kritisiert. Doch ist das noch fair? Stellen Sie sich das in anderen Berufen vor. Diesen Druck auszuhalten ist fast unmöglich.

Obwohl Rafati in seinem Buch sich hauptsächlich auf die Fussballwelt begrenzt, ist sein Anliegen doch viel höher anzusiedeln. Rafati macht allen Menschen Mut. Mut zu seinen Schwächen zu stehen. Jeder Mensch braucht Lob und Anerkennung. Was aber wenn diese im Leistungsdruck völlig verloren geht.

Der DFB wehrt sich gegen die Vorwürfe von Rafati. Dabei will Rafati hier keinen Krieg führen. Er möchte Menschen zusammen bringen. Die Probleme bei der Wurzel bekämpfen. Aber ganz ehrlich, da ist der DFB vielleicht völlig mit überlastet. Ich kenne das Problem beim DFB. Mit grossen Werbekampagnen geht man gegen Rassismus vor. Doch wenn es dann in kleinen Fussballstätten in der Provinz zu rassistischen Handlungen kommt und man als engagierter Journalist den Landesableger WFV benachrichtigt wird die Sache sofort unter den Tisch gekehrt. Man ruft beim Vorstand des Vereins an, der behauptet das Gegenteil und dann ab in die Schublade und weg damit. Da könnte man nur etwas bewegen wenn man den Vorfall gefilmt hätte.

Ich habe leider die Befürchtung dass dieses Buch jetzt schnell ein Strohfeuer entfacht und dann wieder Geschichte ist. Wir freuen uns, dass Rafati dieses Buch geschrieben hat. Ich denke auch, dass Rafati viel Glück hatte, dass er ein so starkes privates Umfeld hat. Jetzt wird es Zeit dass sich Medien und Sportler sowie Funktionäre endlich mal zusammen setzen. Vielleicht trägt dieses gut gemeinte und gemachte Buch dazu bei.

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