Mancophilie

Ilse Martin

Mancophilie Erscheinungsformen und Interaktionen

Homo Mancus Verlag

Ilse Martin, geboren mit einer Dysmelie (angeborene Fehlbildung von Gliedmaßen), befasst sich in ihrem Buch mit der Beziehung Mancophiler zu behinderten Menschen und vice versa. Sie geht im Besonderen auf die sexuelle Faszination ein, die behinderte Menschen auf gar nicht Wenige ausüben.
Um das Leben mit körperlichen Einschränkungen dem Leser näher zu bringen, beschreibt die Diplom-Heilpädagogin u. a. in vier verschiedenen Portraits das Leben körperbehinderter Menschen.
Die Vorliebe zu körperbehinderten Menschen ist ein Thema, das in der breiten Öffentlichkeit gar nicht oder nur als Tabu wahrgenommen wird.
Diese Vorliebe ist bislang kaum erforscht worden, was vor allem daran liegen mag, dass die Betroffenen ihre Neigung vor anderen verbergen. Der Ausdruck

'Deformations-Fetischismus' hat etwas Verletzendes an sich, daher schlägt die Autorin den Begriff 'Mancophilie' vor, die Liebe zu Menschen mit einer körperlichen Einschränkung, abgeleitet von homo mancus, lat = behinderter Mensch.
Die meisten der 163 befragten Mancophilen leben in Lebensgemeinschaften mit einem nicht behinderten Partner. Nur ein Drittel der Mancophilen leben die Neigungen wirklich aus, indem sie Sex mit Betroffenen suchen und eine noch geringere Anzahl ist mit einem behinderten Partner liiert. Dem weitaus größten Teil reicht das Kopfkino, zu dem heute vor allem umfangreiche Bilderdateien aus dem Internet beitragen.
52 Personen mit Behinderungen sagen, was sie über Menschen denken, die erotische Ambitionen mit behinderten Menschen ausleben wollen und beschreiben ihre Begegnungen mit Mancophilen.
Viele Amputierte lehnen eine Beziehung zu einem Mancophilen ab, sie wollten mit ihrer Behinderung geliebt werden und nicht wegen ihr.
Das Ziel der Autorin ist es, das gegenseitige Verständnis füreinander zu verbessern, ein aufeinander Zugehen und mehr Toleranz zu ermöglichen, aber auch auf extreme Fetischisten hinzuweisen, vor denen frau/man sich in Acht nehmen sollte.

Kommentar der Redaktion: Ich denke mal, was meine sexuellen Neigungen betrifft, so bin ich doch normal. Wenn man es als normal ansieht dass ich mich nur zum weiblichen Geschlecht hingezogen fühle. Eine Beziehung mit einer Frau, die vielleicht eine Beinprothese hat, mag ich mir erst mal nicht vorstellen. Ich denke auch, es ist vielleicht etwas Anderes , wenn man eine Partnerin hat und der muss nach einem Unfall ein Bein abgenommen werden. Sicher würde ich mich dann nicht von ihr trennen.

Unsere Gesellschaft beinhaltet aber auch Menschen die sich gerade eine solche Partnerin wünschen. Die Hintergründe, so konnte ich in diesem Buch, unter anderem , erfahren, sind unterschiedlichster Natur. Mich hat dieses Buch sehr bewegt. Die Schicksale der einzelnen Betroffenen und ihre Geschichten hat mich absolut in ihren Bann gezogen. Wer sich also mal einen Tabu Thema zuwenden möchte, der ist mit diesem Buch gut beraten. Pervers, oder soll ich besser sagen, sexuell anders denkende Menschen, die hoffen hier viele Fotos zu Gesicht zu bekommen darf ich voller Freude enttäuschen. In diesem Buch geht es um Aufklärung und einer meiner Meinung nach wissenschaftlichen Aufgabe bzw. Darstellung. Wer sich an solchen Bildern nur ergötzen möchte, der muss sich weiter im Internet vergnügen.

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