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Theodor Much
Noah & Co
Willkommen im Paradies! Theodor Much karikiert in "Noah & Co" die Utopien religiöser Fanatiker
Die "Mohammed-Karikaturen" und die Ausstrahlung des MTV-Cartoons "Popetown" entfesselten 2006 heiße Debatten über Tabubrüche und Meinungsfreiheit. Das Tucholsky-Motto "Satire darf alles" war plötzlich in aller Munde. Tucholsky selbst hatte dieser als Generallegitimation missverstandenen Aussage allerdings eine gewichtige Einschränkung hinzugefügt: Satire dürfe zwar alles, aber nicht jeder solle Satiriker sein; Voraussetzung sei, "daß man verstanden haben muß, bevor man karikiert, daß man überhaupt nur das satirisch behandeln kann, was man in seinem tiefsten Kern begriffen hat."
Theodor Much ist Präsident der Wiener Or Chadasch-Bewegung für ein progressives Judentum. Er nimmt seine Religion aufs Korn - er nimmt sie aber auch unendlich ernst. Und er weiß genau, wovon er spricht. Er kennt religiösen Fundamentalismus und er weiß um dessen mögliche Konsequenzen. In den 13 Satiren, die in Noah & Co und andere Geschichten versammelt sind, wird nicht die Bibel kritisiert, sondern ihr Missbrauch durch Einzelpersonen oder Gruppierungen, denen Menschenrechte, Toleranz und Aufklärung ein Dorn im Auge sind.
Der berühmt-berüchtigte Rabbiner Ovadia Josef spielt in Muchs Episoden eine zentrale Rolle. (Der Rabbiner war zu zweifelhafter Berühmtheit gelangt, nachdem er Holocaustopfer als wiedergeborene Sünder bezeichnet hatte, die in den KZs ihre gerechte Strafe erhalten hätten.) Marc Twain, Darwin und Spinoza sind in Noah & Co in der Hölle gelandet, dort, wo Hardliner sie längst vermuten. Auf ein Interview mit Gott, bei dem dieser sich als Fan von Lessings Ringparabel zu erkennen gibt, folgt die sofortige Ermordung des Interviewers - nicht jedem passt ein toleranter Gott.
"In dem Augenblick aber, wo die Kirche sich erdreistet, uns andern ihre Sittenanschauungen aufzwingen zu wollen - unter gleichzeitiger Beschimpfung der Andersdenkenden als ‚Sünder' - in dem Augenblick halte ich jede politische Waffe für erlaubt - auch den Hohn, grade den Hohn." Kurt Tucholsky
Der Autor: Theodor Much, Jahrgang 1942, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Als Hautarzt praktiziert er in Österreich, Finnland und der Schweiz. Seit 1990 ist er Präsident der ersten liberalen jüdischen Gemeinde in Österreich (Or Chadasch-Bewegung) und im interkonfessionellen Dialog mit dem Islam und dem Christentum aktiv. Bislang sind von ihm erschienen: "Judentum, wie es wirklich ist" (1999), "Bruderzwist im Hause Israel" (1999) und "Der veräppelte Patient" (2003).
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